Zitat:
Mit diesem Widerstand hatte ich nicht gerechnet. Schon seit langem hatte ich Rückenschmerzen, jetzt wollte ich noch mal einen Versuch in einer interdisziplinär arbeitenden Praxis starten, um die Schmerzen endlich loszuwerden. Dort bat man mich, alle Befunde der vergangenen Jahre mitzubringen. Ich musste also verschiedene Ärzte abklappern, um die Unterlagen zu fordern. Bei der orthopädischen Praxis fing ich an.
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Eine Stunde später rief sie an, gespielte Freundlichkeit. "Sie können zwischen 14 und 17 Uhr vorbeikommen und sich die Kopie der Akte holen." Es war erst 11 Uhr. Doch bald sollte sich zeigen, warum ich drei Stunden lang warten sollte: Als ich die Praxis betrat, lag ein Kuvert für mich bereit, darin dicht bedruckte DINA4-Seiten. "Haben Sie doch noch einen Drucker gefunden?", fragte ich die Sprechstundenhilfe.
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Wütend betrat ich die dritte Praxis. Die Akte lag vor der Sprechstundenhilfe auf dem Pult. Die Sprechstundenhilfe aber reichte mir einen Arztbrief, den ich schon kannte. "Das ist wohl das einzige, das für Sie und die Kollegen noch interessant sein könnte", sagte sie. Schnell griff ich nach der Patientenakte. "Sie wissen, es ist mein Recht, meine Akte einzusehen", sagte ich. Die Arzthelferin schaute missmutig, aber ich machte ein Foto von einer handschriftlich vollgekritzelten Seite.
Zuhause las ich: "Patient hat seit zwei Tagen wieder typischen Rückenschmerz, deshalb etwas missgestimmt. Nimmt Diclofenac." Im nächten Eintrag wurde die Ratlosigkeit der Ärzte (wegen einer Vertretung waren zwei Mediziner involviert) deutlich: "Dr. A. mit seinem Latein am Ende." Hatte man mir das ersparen wollen? Auch ohne Akteneinsicht hatte ich bemerkt, dass die Ärzte keine Ahnung hatten, was meine Schmerzen verursachte.