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Autor Nachricht
55555
(Fettnäpfchendetektor)

In welcher Hinsicht entfliehen? Solche Systeme sind ja nur mittelbar durch andere Menschen präsent.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
07.11.10, 23:04:58
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zoccoly
(Autistenbereich)

Zitat von Fundevogel:
Fliehen ist ein Dauerlauf, der so viel Energie verbraucht wie aktiv Mitgestalten?

Unter Umständen kann die Suche nach einer Nische mehr Energie verbrauchen.
Aktive Mitgestaltung ist sehr gut, wenn sie zugelassen wird, wenn Vorgesetzte selbst flexibel sind und nicht der Obrigkeit hörig, nicht mit Weisungen arbeiten, sondern bereit sind konstruktiv, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Vielleicht ist der öffentliche Dienst auch ein Extrembeispiel, da ich aber auf Weisung inzwischen fachlich falsch unterrichten muss, alle Argumente ins Leere laufen, sehe ich den Sinn einer aktiven Mitgestaltung nicht mehr, da man bestimmte Sachen einfach nicht mittragen kann, nenne es Resignation.
Ich bezog es auch auf Deutschland, andere Länder zeigen uns, dass es auch anders geht.

stillgelegt
07.11.10, 23:30:11
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drvaust
(stillgelegt)

Ich kann flexibel sein, wenn es mir gut geht und ich das für richtig halte. Da kann z.B. aus einem kurzen Heimweg plötzlich eine mehrstündige Tour werden, bei der ich vieles erledige, was ich erst später geplant hatte.
Ich kann flexibel sein, in dem ich gute Lösungen finde, obwohl 'man' das eigentlich ganz anders macht. Ich handle unkonventionell.

Aber ich bin nicht flexibel, u.a., wenn ich immer wieder anders kommandiert werde.

07.11.10, 23:36:26
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Isabella
(Angehörigenbereich)

NA´s sind mitunter extrem unflexibel. Das habe ich vor geraumer Zeit dem Teamstamm und der Leitung des hiesigen ATZ´s begründet vorgehalten. Dogmen und Leitlinien werden streng eingehalten, auch wenn es offensichtlich zuwider läuft. Das verstehe ich nicht.
08.11.10, 00:48:38
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argus
(Standard)

"öffentlicher Dienst" hätte kein extrembeispiel sein müssen.

[]
08.11.10, 01:18:40
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Fundevogel
(Angehörigenbereich)

Ich bezog mich auf argus Zitat ..."entfliehen".

zoccoly: Das hört sich nach "innerer Emigration" an, aber ich kann das im geschilderten Fall verstehen.

Ich habe im öffentlichen Dienst, im therapeutischen Bereich, im Dienstleistungsgewerbe und in der Industrie gearbeitet. In allen Bereichen gab/gibt es die VorGesetzten (und Kollegen), die einen Mangel an Kenntnis und Mut mit einem Maximum an Machtsicherung kompensieren.

In den Jahren meiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst habe ich sehr kreativ sein dürfen, weil meine Arbeitgeber experimentierfreudig waren. Im therapeutischen Bereich traf ich sowohl auf Güte als auch auf machtvolle Eitelkeit und in der Industrie sowohl auf Kompetenz als auch auf Ineffizienz.

Zurück zur Flexibilität: Konrad Adenauer meinte: "Man muss die Menschen nehmen wie sie sind, wir haben keine anderen.";)

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. (Johannes 8.12).
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. (Markus 4.21) (Lukas 8.16)
08.11.10, 12:28:35
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Isabella
(Angehörigenbereich)

Fundevogel:
Es ist ja schön, daß Du innerhalb Deines beruflichen Werdeganges die ein- oder andere übliche Erfahrung gemacht hast. Meine Frage ist: mit was setzt Du in dem von Dir beschriebenen Kontext Flexibilität gleich?
09.11.10, 02:12:22
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Fundevogel
(Angehörigenbereich)

In spiritueller/religiöser HinSicht erlebe ich im Gegenüber seinen vermeindlichen Mangel sowohl als etwas, was mich in meiner EntWicklung einschränkt oder beschneidet als auch als etwas, an dem meine Toleranz wachsen kann und durch das mein Erfindergeist nach neuen Möglichkeiten der Bewältigung suchen lernt.

Durch die altruistische Sicht auf den Menschen kann in der Geste der Demut im Sinne der vorgenannten Beugung (Flexibilität) ein großer Frieden liegen. Respekt beinhaltet auch ein BeRückSichtigen dessen, was nicht akzeptabel scheint. Es ist eine der schwersten Aufgaben des Lebens, diese Verbeugung vor dem, was eine Behinderung seiner selbst ist, zu vollziehen.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. (Johannes 8.12).
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. (Markus 4.21) (Lukas 8.16)
09.11.10, 09:58:00
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Isabella
(Angehörigenbereich)

Zitat von Fundevogel:
In spiritueller/religiöser HinSicht erlebe ich ... .Durch die altruistische Sicht auf den Menschen kann in der Geste der Demut im Sinne der vorgenannten Beugung (Flexibilität) ein großer Frieden liegen. ... . Es ist eine der schwersten Aufgaben des Lebens, diese Verbeugung vor dem, was eine Behinderung seiner selbst ist, zu vollziehen.


Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber das verstehe ich alles nicht.
09.11.10, 23:49:15
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Fundevogel
(Angehörigenbereich)

Wenn ich behindert werde, registriere ich die Einschränkung oder Beschädigung meiner selbst.

Ich kann aber darüber hinaus auch sehen, dass diese Einschränkung für mich gut sein kann, in dem ich überlegen lerne, wie ich mit der Eingrenzung leben lerne, ohne darunter zu leiden oder Techniken entwickele, wie ich sie umgehen kann.
Die Behinderung trägt also etwas Negatives und etwas Positives für mich in sich.

Die meisten Menschen verharren nach einer Beschädigung ihrer selbst in dem negativen Gefühl und fühlen sich gelähmt und kalt gestellt.

Wird man aber fähig, das Positive in dieser Situation zu erkennen und anzunehmen (sich der Situation zu beugen), löst sich die Lähmung auf und die gezielten annehmenden Gedanken heben auf eine erträgliche frohmachende Ebene.
Sich in den Widrigkeiten des Lebens positiv stimulieren zu lernen ist Schwerstarbeit und das Ergebnis von SelbstDisziplin.

Altruistisch sein ist das Gegenteil von egoistisch sein. Wenn man es schafft, den eigenen Blick von sich weg auf den Anderen zu lenken und ihn trotz des empfundenen Leides mit Güte betrachten lernt, ist das für alle Beteiligten befreiend.

Isabella, ich erlebe es so in meinem Alltag und kann es nicht anders beschreiben.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. (Johannes 8.12).
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. (Markus 4.21) (Lukas 8.16)
10.11.10, 00:37:20
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Antika
(Autistenbereich)

Ich erlebe meinen Alltag auch so wie Fundevogel, finde dies hier gut beschrieben. Und genau das ist für mich persönlich Flexibilität.

"Das, was du tust, schreit so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst."

(Sprichwort aus Mosambik)
--------------------------------

"Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich."
(Zitat von Honoré de Balzac)
10.11.10, 07:47:43
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Ich kann an einer Behinderung durch die Gesellschaft nichts Positives erkennen. Solche Diskriminierung muß jedoch trotz ihres eindeutig negativen Charakters nicht mein Lebensgefühl beherrschen. Das hängt dann vom persönlichen "Copingverhalten" ab.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
10.11.10, 09:53:22
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