Hallo 55555,
ja, Trampeltier zu sein ist eine eigene, weitverbreitete Störung unter NA's.
Da ich bis jetzt mit Anderssein und Behinderung keine Umgangserfahrung sammeln konnte, kann ich euch nur bitten, noch etwas Geduld mit mir zu haben. Wenn ich in ein paar Wochen noch immer so behindert daherschreibe, werft mich bitte raus.
Zur Erklärung: seit 4 Jahren versuche ich zu akzeptieren, dass mein Sohn, die Welt anders wahrnimmt. Um ihm besser helfen zu können, mit dieser für ihn feindlichen Welt (zu laut, zu schnell, zu grell, ...) umzugehen, ist es für mich wichtig zu verstehen, wie er die Welt wahrnehmen könnte. Bis jetzt haben mir Therapeuten und Ärzte sein Anderssein erklärt. Manches hat mich mehr auf unbewußte Weise gestört und erst durch eure Reaktionen wird mir klar, wie menschenverachtend viele dieser Aussagen sind. Und wie gut dressiert ich doch nicht bin, da mitzumachen.
Es war aber von Anfang an klar, in ein Heim kommt er nicht und dadurch bin ich auf Hilfe bzw. Unterstützung angewiesen.
Seit damals kämpfe ich darum und vor knapp einem Monat war ich soweit aufzugeben, da hab ich euch im Netz gefunden. Ihr seid mein Beweis, dass meine Entscheidung, ihn selbst sein zu lassen die richtige war - auch wenn die Umsetzung keine leichte ist und doch stark verbesserungswürdig.
Ich will mich auch ganz bestimmt nicht mit gutem Gewissen über ihn hinwegsetzen, derzeit hab ich eher das Gefühl, dass ich im Nebel steh und weder ihn noch mich wahrnehme und unter diesen Vorsetzungen sind gute Kompromisse für beide Seiten schwer zu finden.
Wenn ich den Begriff aber nicht ändere, kann ich den Inhalt nicht ändern und dazu muss ich wissen, wie der andere den Begriff auffasst. Diese Vergleichsmöglichkeit fehlte mir bisher, denn mein Sohn lebt leider noch in einem sehr großen Abhängigkeitsverhältnis zu mir. Manchmal komm ich mir vor wie ein Gefängniswärter und in der vielfältigen Möglichkeit, dass er sich selbst Schaden zufügt, überseh ich es, ihm den Freiraum zu verschaffen, denn er genauso braucht, wie jeder Mensch.
ABA ergibt sich dadurch, dass ich eine Einzelintegration im Kindergarten durchgesetzt habe, die nicht Kärntenüblich ist. Seine Begleitung ist ausgebildete "Autistentrainerin". Gut an ihr ist, das sie klar strukturiert ist und die Anweisungen klar gibt (da lern ich von ihr). Keni mag sie auch sehr gern, ich kann den Kindergarten erst verlassen, wenn sie da ist, da geht er von mir zu ihr und seine ganze Körperhaltung verändert sich ähnlich, wie dann, wenn er seinen Papa sieht (oder auch schon auf ein paar Kilometer Entfernung wahrnimmt). Es beginnt jetzt das 3. Jahr und die Ausweitung der Stunden hat er bestimmt (sind jetzt 12 Stunden die Woche). Hier einen Ersatz zu finden ist nicht so einfach. Bis jetzt haben mir die Argumente gefehlt. Ich werde sehr oft nur auf die übervorsichtige Mutter reduziert.
Die Bedingungen für ihn und die anderen zu verbessern, daran arbeite ich seit 4 Jahren und trotz widriger Umstände ist er lernbegierig und hat auch schon vieles dazugelernt. Das ist ja jetzt wieder das Problem: es steht eine weitere Veränderung an und ich weiß nicht, welche es sein könnte. Ich hab im Moment das Gefühl seiner Entwicklung im Weg zu stehen. Ist es der falsche, weil ich ihn nicht richtig verstanden habe, weiß ich nicht, ob ich mir das verzeihen könnte.
Ich versuch so gut es geht, seine Bedürfnisse zu berücksichtigen, denn nur dann hat der Rest der Familie auch ein Leben. Derzeit geraten eher die anderen unter die Räder, weil ich planlos herumrudere.
Notdurft: nö, ist sicher nicht im allgemeinen Interesse, nur wickeln ist Stress für ihn und das herkömmliche Toilettentraining verweigere ich. Ist aber genauso ein Punkt der ansteht, wie ich es mache, denn dadurch wird er von mir enthindert. Werde dazu einen Thread eröffnen, aber nicht jetzt.
Im Moment hab ich nicht das Gefühl mit meine detektivischen Kleinarbeit erfolgreich zu sein. Aber es geht sicher besser als vor 4 Jahren.
Thema essen hab ich im Angehörigenforum gestern eröffnet.
Seine Brüder sind im teilweise hilflos ausgeliefert, sie kommen gut klar mit ihm und unterstützen mich (ausser Einkaufen muss ich auch noch kochen, Wäsche waschen, Haus sauber halten, Garten, und mich mit ihnen zusammenraufen). Obwohl sie werden gebissen, getreten, an den Haaren gerissen, bespuckt. Sie sind sehr geduldig und er ist in die Familie integriert. Nur einmal hat ein Sohn gemeint, die Hebamme, die Keni gebracht hat, könne ihn wieder holen

Das geht nicht länger wie 20 Minuten und im Ernstfall kann ich eingreifen.
Hallo frozen: Seine Welt akzeptier ich, mit Verstehen geht das besser. Unauffällig beobacht ich ihn, hab nur nicht genug Zeit dafür, Gründe hab ich weiter oben erklärt
Mit der längeren Verantworung hab ich nicht so das Problem, mir graut mehr vor der Zeit, wo ich nicht mehr kann oder bin.
Mit den Tricks entwickeln bin ich leider etwas langsam und da wickeln nicht zu seinen bevorzugten Tätikeiten gehört (ist eher so wie duschen) kann er sich gut dagegen wehren und er hat eine sehr gute Trefferquote.
Und bei Psychologen war ich schon, hab keinen Bock auf Psychopharmka. Ist neben Autismus ist ja so schlimm das einzige was sie zum Anbieten haben. Das hilft mir auch nicht weiter.
Danke für die Links mit den Flyern, ist eine gute Idee, da brauch ich mir den Mund nicht mehr so fusselig reden. Und wenn ich wieder etwas gesammelter bin, mach ich da sicher mit.
Tja, zu meinem Inneren komm ich nicht so ganz dazu, obwohl da jetzt der Streßfaktor Duschen weggefallen ist, hab ich wieder Luft, die ich gerne nützen werde.
Hallo azrael,
ich fütter ihn auf der Couch, da sitzt er gerne und diese komischen Spiele waren mir bei meinen anderen Kindern schon verhasst. Am Anfang wurde mir der Tipp gegeben, um den Blickkontakt zu "fördern", ich solle ihn nur dann füttern, wenn er mir vor jedem Löffel in die Augen blickt. So ein Blödsinn - hab ich bald wieder aufgegeben. Essen hab ich Angehörigenbereich eröffnet.
Danke für eure Zeit und Geduld