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deeplydepressed
(Standard)

Hallo,

ich quäle mich schon seit geraumer Zeit mit einer Unzufriedenheit herum, die ich mir nicht erklären kann, woher sie kommt. Ich weiß nicht so recht was mir fehlt, jedoch sind einige Symptome von Autismus doch vorhanden bei mir.

Ich fühle mich in größeren Gruppen oft sehr unwohl, speziell wenn von mir erwartet wird, dass ich irgendetwas sagen soll.

Ich fühle mich auch nicht besonders zugehörig zur Allgemeinheit, teilweise verstehe ich gar nicht, wie sich andere Menschen in ihrer Lebenssituation wohl fühlen können. Viele gehen Woche für Woche in die Disco und haben ihren Spass dabei. Wenn ich in einer Disco bin, empfinde ich das als Zeitverschwendung und langweilig. Auch mit Freunden unterhalte ich mich oft nur kurz und verlier dann schnell die Lust daran. Es kommt mir oft auch sinnlos vor, mich zu unterhalten, da ich für mich selber teilweise keinen Sinn darin sehe. Außerdem ist es mir anstrengend.
Ich habe auch sehr große Schwierigkeiten mit Leuten ins Gespräch zu kommen und mein Augenkontakt dabei ist sehr flüchtig. Oft rede ich dann so ungeschickt, dass andere Leute mich als komisch empfinden. Also Smalltalk im Cafe fällt eher flach. Allerdings kommt es da auch auf die Tagesform drauf an.

Wenn man mit derartigen Dingen wie Disco nichts mehr anzufangen weiß, belastet einen das doch sehr. Zudem bin ich 22 und ich habe keine Lust mehr in diesem komischen Zustand vor mich hin zu leben. Eigentlich denke ich, wäre es das Beste für mich mit Leuten zu interagieren, jedoch habe ich schon Angst davor, irgendwie ins Gespräch zu kommen. Zudem wird mir das ja dann auch schnell wieder zu nervig und ich will mich dann schnell wieder nach Hause veziehen !

Wirklich zufrieden ins Bett gehe ich eigentlich nur noch, wenn ich extrem viel gelernt habe von einer Sache, die mich interessiert. Ich fokussiere mich sehr stark auf Dinge, die mich interessieren und versuche oft jede Minute des Tages zum Lernen zu nutzen. Wenn ich dann nach einigen Tagen des Lernens zu erschöpft bin um weiterzulernen kommt Langeweile auf und noch mehr Unzufriedenheit. Der extreme Drang kreativ und produktiv zu sein herrscht bei mir eigentlich ständig. Ich kann nicht einmal in Ruhe eine DVD ansehen ohne diesen Drang zu verspüren. Das war frühers überhaupt nicht so. Vielleicht ist das auch nur eine Überreaktion von mir.

Eigentlich würde ich gerne Wissen, ob ich einfach nur komplett andere Interessen habe als die Mehrheit und ich deshalb oft verunsichert und desinteressiert auftrete oder ob vielleicht tatsächlich ein Teil von mir autistisch ist ?

Würde mich sehr freuen, wenn jemand seine Eindrücke hier schreiben würde.
05.01.07, 14:35:37
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Altpapier
(Autistenbereich)

Zitat von deeplydepressed:
Wenn man mit derartigen Dingen wie Disco nichts mehr anzufangen weiß, belastet einen das doch sehr. Zudem bin ich 22

"Nichts mehr" bedeutet du hattest früher mehr damit anfangen können? Als Möglichkeiten würde ich Depression, schizoide Persönlichkeit oder auch Autismus erwägen. Vielleicht erzählst du noch etwas präziser über deinen Alltag, wenn dir an Einschätzungen gelegen ist?
05.01.07, 15:03:23
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deeplydepressed
(Standard)

ich habe eigentlich nie wirklich etwas damit anfangen können mit Discos und der Partyszene. Allerdings war ich früher auch noch motivierter mit anderen in Kontakt zu kommen. Herausgekommen sind oft nur oberflächliche Kontakte und ich bin oft mit der Erwartung weggegangen, dass es ein interessanter Abend wird und ich ne Menge interessante Leute ( inklusive Frauenbekanntschaften ) kennenlernen würde. Herausgekommen ist jedes Mal eine langweilige Nacht ohne Bekanntschaften. Vielleicht spielt der Frust, den ich dort erlebt habe eine entscheidende Rolle. Nur leider steckt das jetzt so tief fest, dass ich auf Chancen unter Leute zu kommen lieber verzichte.
Ich weiß eben nicht genau ob mein Frust in der Hinsicht die einzige Erklärung für mein Verhalten ist. Weil eigentlich sollte der sich doch irgendwann einmal legen.

Zu meinem Alltag : Ich bin Student und mache mir relativ viel Stress mit dem Lernen und habe auch öfters mal Versagensangst und lerne als Folge davon noch mehr. Dadurch habe ich auch sehr wenig Zeit zum erholen. Wie bereits erwähnt kann ich kaum "abschalten". Bevor ich mit dem Studium begann, hatte ich mein Abitur nachgeholt, was ebenfalls mit sehr intensivem Lernen verbunden war. Das ständige Lernen belastet mich schon sehr und daher frage ich mich auch, ob das auf Dauer so weitergehen kann. Womöglich liegt neben meiner Frustration darin ein weiterer Grund für meine Lustlosigkeit am gesellschaftlichem Leben teilzuhaben.

Tut mir leid, wenn ich alles etwas unstrukturiert schreibe, nur weiß ich auch nicht genau, wie ich das am Besten erkläre. Also bitte einfach weiter nachfragen.
05.01.07, 16:45:47
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

Zitat von deeplydepressed:
ich habe eigentlich nie wirklich etwas damit anfangen können mit Discos und der Partyszene. Allerdings war ich früher auch noch motivierter mit anderen in Kontakt zu kommen. Herausgekommen sind oft nur oberflächliche Kontakte und ich bin oft mit der Erwartung weggegangen, dass es ein interessanter Abend wird und ich ne Menge interessante Leute ( inklusive Frauenbekanntschaften ) kennenlernen würde. Herausgekommen ist jedes Mal eine langweilige Nacht ohne Bekanntschaften.


Hallo,

das kenne ich persönlich auch. Ich war früher auch oft auf Parties oder in Diskotheken in der Hoffnung da interessante Leute zu treffen. Das Resultat war in etwa das Gleiche wie bei dir. Ich verstand auch nie wie sich andere in Diskotheken unterhalten konnten wo doch alles so laut ist und die verbale Kommunikation sich auf das Oberflächliche beschränkt. Gefallen haben mir die Lichteffekte und teils die Musik wenn auch "einwenig" zu laut. Ich kenne einige Autisten die in Diskotheken oder ähnliches verkehrt haben um mehr Kontakt zu haben auch wenn man diese Gesellschaften eigentlich eher verabscheut hat.

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05.01.07, 16:59:46
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deeplydepressed
(Standard)

die Musik war oftmals der einzige Grund für mich in eine Disco zu gehen, wenn Freunde versucht hatten mich zum mitgehen zu überreden.
Was machen denn die Autisten so, die du kennst, denen die Disco auch nicht das gab, was sie suchten ?

Mir ist aufgefallen, dass es mir wesentlich leichter fällt ins Gespräch mit jemandem zu kommen wenn ich an der Uni bin. Dort habe ich teilweise auch schon Leute ohne Zwang angesprochen und mich wohl dabei gefühlt. Wenn es um fachliche Sachen geht, fühle ich mich eigentlich immer recht sicher beim reden, die alltäglichen Gesprächsthemen verunsichern mich allerdings.
05.01.07, 17:31:17
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DrChaoZ
(Autistenbereich)

die aussagen bezüglich der discotheken betrifft unterschreibe ich die aussagen von Sheila und deeplydepressed.
05.01.07, 17:35:10
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Altpapier
(Autistenbereich)

Ja, mag sein, daß bei dir Autismus vorliegt. Welche Rolle hattest du in der Schule? Wie hast du diese Zeit erlebt?
05.01.07, 18:17:10
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

Zitat von deeplydepressed:
die Musik war oftmals der einzige Grund für mich in eine Disco zu gehen, wenn Freunde versucht hatten mich zum mitgehen zu überreden.


Mir nicht ganz unbekannt auch wenn ich diese Personen aus heutiger Sicht sicher nicht als Freunde bezeichnen würde (Hat mit Disco nichts zu tun).

Zitat:
Was machen denn die Autisten so, die du kennst, denen die Disco auch nicht das gab, was sie suchten ?


Das unterscheidet sich nicht im Wesentlichen von meinen, DrChaoZ´ oder deinen Erfahrungen. Menschen die sich dort oft zum Trottel gemacht haben, mich mit eingeschlossen.

Zitat:
Dort habe ich teilweise auch schon Leute ohne Zwang angesprochen und mich wohl dabei gefühlt.


Dort ist auch ein anderes Niveau und die Menschen "ticken" nicht so strikt nach "Neurotypismus" auch wenn sie sicher nicht (alle) autistisch sind.

Zitat:
Wenn es um fachliche Sachen geht, fühle ich mich eigentlich immer recht sicher beim reden, die alltäglichen Gesprächsthemen verunsichern mich allerdings.


Das ist ok. AS ist keine Sozialphobie auch wenn eine Sozialphobie bei Autisten nicht ausgeschlossen werden kann.

[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
05.01.07, 18:48:04
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deeplydepressed
(Standard)

Zitat von Altpapier:
Ja, mag sein, daß bei dir Autismus vorliegt. Welche Rolle hattest du in der Schule? Wie hast du diese Zeit erlebt?


Die Schulzeit erlebte ich nicht mit besonderen Freuden. Als ich damals noch zur Hauptschule ging wurde ich schon öfters gehänselt, speziell in den späteren Jahrgangsstufen. Allerdings war mir damals schon bewusst, wie dämlich sich einige Mitschüler gegenüber mir verhielten. Aber auch während der Ausbildung auf der Berufsschule wurde ich wieder gehänselt, ich konnte mit den dummen Sprüchen der anderen schlecht umgehen. Dabei waren einige Hänseleien der Schüler teilweise gar nicht so ernst gemeint. Hätte ich besser gekontert, hätte ich mir sicher weniger daraus gemacht und die Schüler hätten mich wahrscheinlich in Ruhe gelassen. Aber aufgrund meines sensiblen Charakters habe ich mir damals dumme Sprüche schon sehr zu Herzen genommen und wirklich kontern konnte ich eher selten. Also habe ich mir immer klar gemacht, wie doof die anderen doch sind und das hat ein bisschen geholfen meinen Ärger zu besänftigen.
In meinem Ausbildungsbetrieb habe ich mich auch sehr selten zu anderen Auszubildenen gesetzt in den Pausen. Ich wollte lieber in Ruhe für mich sein und einfach nicht wieder in eine unangenehme Gesprächssituation kommen.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich früher sehr viele Videospiele gespielt habe und ich mich damit immer sehr wohl gefühlt habe. Das war sicherlich auch nicht gerade sozial fördernd.
Außerdem hat ein Elternteil von mir Psychose. Ich weiß nicht, ob das gleich wieder bedeuten muss, dass ich auch etwas habe. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt vermutlich:)

Danke übrigens für die vielen Antworten !
05.01.07, 19:41:09
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Altpapier
(Autistenbereich)

Was für eine Psychose hat ein Elter von dir genau? Im übrigen hört sich das ziemlich typisch an für Autismus, ich erlaube mir aber noch kein persönliches Urteil.
05.01.07, 21:02:36
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deeplydepressed
(Standard)

Leider weiß ich die Art der Psychose nicht genau. Die Beschreibung von Wikipedia der Psychose mit Wahnvorstellungen und so weiter trifft aber nicht zu. Eher schon eine affektive Psychose. Genau fragen kann ich erst, wenn meine Eltern aus dem Urlaub zurück gekommen sind.
05.01.07, 23:01:56
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Goldloeckchen
(stillgelegt)

geändert von: Goldloeckchen - 06.01.07, 12:10:01

Zitat von deeplydepressed:
Leider weiß ich die Art der Psychose nicht genau. Die Beschreibung von Wikipedia der Psychose mit Wahnvorstellungen und so weiter trifft aber nicht zu. Eher schon eine affektive Psychose. Genau fragen kann ich erst, wenn meine Eltern aus dem Urlaub zurück gekommen sind.


ich selbst habe mal einen Zustand gehabt den ich als grenzpsychiotisch beschreiben würde. Da dieser weder von langer Dauer war noch sich jemals wiederholt hat kann von einer "richtigen" Psychose nicht die Rede sein. Ich habe in verschiedenen Diagnosekriterien für AS gelesen, dass dies typisch sein soll im jungen Erwachsenenalter.

[Auf eigenen Wunsch deaktiviert und anonymisiert, mfg [55555]]
06.01.07, 12:09:08
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