Hallo Christian,
du hattest als Kind eine Sprachverzögerung? Wann hast du sprechen gelernt? Kannst du dich daran erinnern? Was hat dir am meisten geholfen?

Ich hoffe ich löchere dich nicht zu sehr, aber das Thema brennt mir irgendwie unter den Nägeln
Bis bald
Hallo,
an diese Zeit kann ich mich nicht selbst gut genug erinnern, um dazu etwas sagen zu können. Jedoch ging meine Mutter schon sehr früh zu vielen Ärzten mit mir, auf der Suche nach einer Erklärung für die damaligen Probleme. Ich habe einige alte Arztberichte gelesen, in denen Sprachverzögerungen dokumentiert waren und auch "merkwürdiges" Spielverhalten und motorische Probleme.
Als ich etwa 18 Monate alt war, sagte ein Arzt meiner Mutter, ich sei autistisch und es könnte sein, dass ich nie richtig sprechen lernen würde. Dieser Arzt schickte (noch recht junge) meine Mutter damit einfach so nach Hause, ohne irgend etwas zu erklären oder Hilfe anzubieten - ein unglaublicher Vorgang.
Als ich dann doch anfing zu sprechen (wenn auch verzögert und z.B. im Satzbau deutlich eingeschränkt) dachte meine Mutter, ich könnte nicht autistisch sein und die Sache wurde nicht weiter verfolgt.
Wegen sozialer Probleme wurde ich allerdings in einem Sonderkindergarten betreut, eine besondere Therapie fand dort nicht statt, aber die Betreuung war deutlich intensiver als normal (2 Betreuerinnen für 6 Kinder). Als ich 5 Jahre alt war, zog ich mit meiner Mutter in eine andere Stadt, dort hielten mich die Behörden für "nicht behindert genug" für einen Sonderkindergarten, so dass ich in eine normale Kindergartengruppe kam - ich erinnere mich gut daran, dass ich dort ziemlich überfordert war und meine Mutter berichtete von vielen Problemen.
In der Schule (Regelschule) klappte es einigermassen, später profitierte ich sehr davon, dass ich auf einer Gesamtschule war (betreute Aufgabenstunden statt alleine zu Hause arbeiten usw.). Am Ende hatte ich Abitur mit Note 1,0.
Soziale Probleme hatte und habe ich aber weiterhin.
Die endgültige Diagnose habe ich erst seit einigen Monaten, autismusspezifische Therapie werde ich erst jetzt (mit 29 J) bekommen. Ich kann also leider kaum sagen, was mir wirklich geholfen hat, denn als ich klein war, hat eine spezifische Förderung nicht stattgefunden und das Wissen darum war sicherlich noch viel geringer als es heute ist.
Heute übe ich einen qualifizierten Beruf aus, habe aber immer noch deutliche Probleme. Ich komme zwar weitgehend alleine zurecht, brauche aber doch, dass jemand da ist, der mich etwas unterstützen kann. Wenn ich ganz alleine auf mich gestellt bin, gerate ich schnell in Schwierigkeiten. Der Versuch, an einer Uni zu studieren ist so leider gescheitert - und zu dieser Zeit habe ich gar nicht verstanden, warum.
Christian