wird Asperger mit der Zeit schlimmer?
12.01.07, 12:24:39
omid
hallo,
Ich frage mich ob Asperger mit der Zeit schlimmer wird.
Ich dachte immer man hat es oder eben nicht und das war's dann auch schon ABER wenn ich jetzt mit 23 zurückblicke merke ich, dass es mir mit 18 um längen besser ging und als ich mit 18 zurückgeblickt habe merkte ich dass es mir mit 14 wiederrum viel viel besser ging.
Soziale probleme hatte ich nie, vielmehr leichte desinteresse an Menschen und das war's auch schon bis 15. Da kam die unruhe und die depression probleme sich in der neue Schule einzugliedern und so. und da habe ich angefangen die fähigkeit zu verlieren zu fühlen wo ich bin (derealisationsstörung mit diagnose) aber mit 18 hatte ich soweit ich sagen kann KEINE stereotypien (bin nicht rumgewackelt und musste nicht ein wort 50 mal wiederholen) und bin sogar gerne in die disco gegangen (also keine Overloads weit und breit) und ab 20 habe ich angefangen den bach runterzugehen. ich habe seitdem nicht mehr gefühlt wie es sich anfühlt z.b. in der natur oder an einem schönen ort zu sein, krige schon in cafes overloads oder auch mal zuhause und habe unkontrolierbare extrem schnelle gedanken und körperliche unruhe mit stereotypien. Also kurz gesagt gehe ich den bach runter.
passt das denn mit dem was ihr von asperger kennt? ich dachte asperger wird nicht schlimmer! oder habe ich vielleicht mir eine Psychose eingefangen?
12.01.07, 13:58:17
Goldloeckchen
Hallo Omid,
Autismus ist genetisch bedingt oder entsteht durch peri- bzw. postnatale Schäden. Das heißt, dass die Auffälligkeiten in Bezug auf Kommunikation und anderer Probleme von Geburt an bestehen oder wie bei Asperger-Autismus ab den dritten Lebensjahr sichtbar werden.
Allerdings gibt es atypischen Autismus der sich sowohl durch eine atypische Symptomatik bemerkbar macht als auch durch atypisches Alter. Einige Menschen entwickeln nach schweren Unfällen oder neurochirugische Eingriffen wie etwa bei der Entfernung von Hirntumoren, Zingulotomie etc. autistische Symptome aber auch andere Dysfunktionen.
Ich habe seit dem Eintritt in den Kindergarten gemerkt, dass ich irgendwie anders funktionierte als die Kinder die ich dort kannte. Ich hatte erhebliche Mühe Kontakte zu knüpfen, teils sogar kein Interesse und konnte mich nicht so recht in die Gemeinschaft einfügen. In der Grundschule erging es mir ähnlich auch wenn ich nicht mehr ganz so unbeteildigt war. Auf der weiterführenden Schule habe ich mir durch Missverständnisse viel Ärger eingehandelt.
Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass sich das gebessert hat. Heute schaffe ich es über einen Zeitraum "einwenig hinaus zu schauspielern" und habe viele soziale Regeln inszwischen intus, nur die Abweichungen und Ausnahmen sind mir noch fremd. Sozusagen die "Feinabstimmungen" des sozialen Miteinanders. Ist mir aber längst nicht mehr so wichtig, wenn dann eher beruflich, also für die Zukunft.
Ob es Leute gibt bei denen es schlimmer geworden ist weiß ich nicht aber ich habe es so noch nie gehört.
12.01.07, 14:19:54
Goldloeckchen
Noch was: Ich weiß nicht was du dir "eingefangen" hast (um es mal in deinen Worten auszudrücken) aber eine Psychose ist es sicher nicht. Es sei denn du hast uns irgendwelche Wahnvorstellungen verschwiegen. ;)
12.01.07, 15:09:16
Altpapier
Autismus kann durch Lebensumstände verschlimmert werden. Vielleicht war dein Leben in der frühen Kindheit recht geborgen und organisiert und dann darauf immer weniger? Die Anforderungen könnten gestiegen sein und somit die Belastung in Form von Erwartungsdruck, geforderte Selbstständigkeit etc.
Es könnte aber tatsächlich auch ein Hirntumor sein bei dem Zeitraum von zehn Jahren den du genannt hast. Das kann mit MRT geklärt werden.
Vielleicht beschreibst du mal genauer, was du unter einem Overload verstehst und wie du ihn erlebst?
12.01.07, 17:57:57
Goldloeckchen
Wenn es um Overloads geht könntest du damit Recht haben. Für alle Symptome des Spektrums würde ich das jedoch ausschließen.
Omid:
Wenn du also die Überforderung an sich meinst. Ja, dann kann es durchaus sein, dass es sich verschlimmert. Vllt, habe ich deinen Beitrag einwenig missverstanden.
12.01.07, 18:35:23
Altpapier
Overloads fand ich bisher an seinen Ausführungen am aussagekräftigsten für Autismus. Ansonsten ist mir noch nicht so klar, worauf das hinauslaufen könnte. Wenig Interesse an sozialem Kontakt würde wieder eher auf schizoid hindeuten oder Depresionen oder eine ganz andere Sache. Hier wäre vielleicht noch die Frage wie das in der Schule im Alltag ausgesehen hat. Welche Stellung in der Klasse hattest du, wenn du das mal genauer beschreibst?
12.01.07, 22:11:04
omid
geändert von: omid - 12.01.07, 22:13:01
also was bei mir für asperger spricht:
ich verstehe es oft nicht wenn leute durch die blume mir was mitteilen wollen
ich bin sehr langsam darin, mich in einer gruppe einzugliedern oder mit neuen menschen und sitiationen klarkommen, aber wenn es geschehen ist läuft es super. bis auf die schuljahre zwischen 16 und 21 war ich immer sehr beliebt und lebhaft und sonst was, auch wenn in der gruppe probleme habe den gesprächen zu folgen und mich einzubringen und schnell ein overload krige weil es beispielsweise in solchen situationen zu laut wird oder einfach zu viel und zu lange gesprochen wird. meiner meinung nach sind meine naivität und unbeholfene direktheit für meine beliebtheit maßgäblich verantwortlich
ich kann hintergrundgeräusche nicht ausblenden wenn ich jemandem zuhören will, vielmehr vermischen sich die zwei -> overload.
mit wenig interesse meinte ich eher, dass die leute mir nicht sehr viel bedeutet haben. also in der schule war ich zum beispiel sehr sozial und lustig und so aber ich bin erst mit 15 auf die idee gekommen mit den leuten z.b. rauszugehe. ziemlich oft bestand die "sozialisation" darin, dass ich einen (unbeabsichtigt) lustigen vortrag gehalten habe und die anderen es lustig fanden und gelacht haben. wenig interesse ist nicht gleich wenig kontakt oder kontakte aus dem weg zu gehen, sondern der stellenwert von solchen kontakte bei mir....
ok ich glaube das wäre es...
danke fürs lesen.
13.01.07, 05:51:34
drvaust
geändert von: drvaust - 17.01.07, 14:00:48
Omid, gibt es einen Anlaß, das es Dir schlechter geht? Hat sich in Deinem Leben etwas verändert? Vermutlich hast Du die Schule beendet und bist in ein anderes Umfeld gekommen.
In der Pubertät scheinen viele Autisten größere Probleme zu haben, Autismus ist nicht gut für die dann üblichen sozialen Spiele.
Ich war zwar schon früh auffällig, spielte immer alleine, ging Menschen (besonders Kindern) aus dem Weg usw., aber es ging bis zur Pubertät einigermaßen. Ich war in einem guten Kindergarten halbtags und in der Schule war ich die ganze Zeit mit überwiegend den gleichen Mitschülern zusammen, also ein relativ gleichbleibendes Umfeld. Overloads hatte ich schon immer etwas.
Erst mit der Pubertät bekam ich ernsthafte Probleme. Eigentlich hätte ich mich für Mädchen interessieren müssen, habe ich auch, aber ich hatte kaum Ahnung, wie man mit Menschen umgeht, von Flirten gar keine Ahnung. Dazu kamen noch andere Probleme. Das führte zu psychischen Veränderungen, die teilweise krankhaft sind, aber manchmal auch das Leben erleichtern.
Nach der Schule ging es mir besser, bis auf die Arbeit. Die Lehre und danach die Arbeit war schlimm, ich kam mit den Kollegen nicht klar, hatte mich täglich bis zum Feierabend gequält.
Beim Studium lief es relativ gut, ich hatte zwar typische Probleme, aber kam zurecht.
Sehr wichtig ist für mich das Umfeld, wenn ich mit den Menschen klarkomme läuft es gut, ansonsten geht es kaum.
Die Pubertät war nicht schön. Am schlimmsten war für mich die Zeit nach der Schule, bis 21, wegen der Probleme auf Arbeit. Aber irgendwie lebe ich weiter.
Autismus scheint sich nicht zu verschlechtern, aber die daraus entstehenden Probleme können sich verstärken, abhängig von der Situation. Es können auch Folgeschäden auftreten. Aber es kann genauso besser werden.