Beim Postzusteller gute Worte einkaufen
25.06.14, 18:48:13
Fundevogel
"Der Postbote als eine Art Sozialarbeiter oder Altenpfleger – so was soll es bald im Ruhrgebiet geben. Unter dem Namen „Post Persönlich“ hat die Deutsche Post einen solchen Service kreiert. Postboten sollen sich auf ihrer Tour künftig Zeit nehmen für ein kurzes Gespräch mit Kunden, die für diesen Service zahlen."
"„Es gibt viele alte Menschen, denen Kontakte fehlen“, sagt etwa Beate Linz, Leiterin des Geschäftsbereichs „Leben im Alter“ der Diakonie in Düsseldorf."
"„Wir hoffen, uns ein neues Geschäftsfeld zu erschließen“, sagt ein Postsprecher."
"Ab dem 1. Juli soll der Service erstmals angeboten werden, in Kooperation mit der Johanniter-Unfallhilfe, als „größtem bundesweiten Pflegeanbieter“, wie die Post erklärt. Es ist ein Pilotprojekt im Postleitzahlgebiet 45 - also im mittleren Ruhrgebiet. "
"Im Angebot sind Besuche dienstags bis freitags oder zusätzlich am Samstag. Der Preis: 37,50 Euro oder 42,50 Euro je Monat."
www.derwesten.de/staedte/essen/brieftraeger-sollen-im-ruhrgebiet-nach-senioren-sehen-id9513908.html
26.06.14, 03:23:38
drvaust
Das könnte gut sein, es gibt bestimmt Bedarf, aber nicht für mich.
Da kommt regelmäßig jemand fast täglich vorbei. Dann kann es nicht passieren, daß eine Leiche nach Wochen durch den Gestank gefunden wird. Aber:
Zitat:
Briefzusteller arbeiten unter großem Zeitdruck
Das kenne ich hier auch. Wechselnde Zusteller hetzen von Haus zu Haus und werfen die Post hastig ein. Wenn das Tor zu ist oder das Päckchen nicht durch den Schlitz paßt, wird nicht zugestellt, Klingeln und Warten dauert zu lange.
Zitat:
Zusätzliches Personal plant die Post für "Post Persönlich" nicht. Extra Geld gibt es für die „Persönlich“-Zusteller ebenfalls nicht, sondern ein „Zeitkontingent“, das dann von der Briefverteil-Tour abgezogen wird. Bei der Gewerkschaft ist von 1 bis 2 Minuten Zeit die Rede - pro Kunde und für die Frage „Wie geht’s Ihnen?“, das Warten auf die Antwort und die Meldung an die Johanniter-Unfallhilfe. Doch Pflege-Experten wissen: „Es kann sehr lange dauern, bis ein älterer Mensch an der Wohnungstür ist“.
27.06.14, 01:15:06
PvdL
Ich finde es höchst unmoralisch, für ein kleines Bißchen mehr Menschlichkeit gleich Geld verlangen zu wollen. Demnächst wollen die Schaffner vielleicht Geld dafür, wenn sie Reisenden Fahrplanauskünfte erteilen. Der Arzt verlangt vielleicht extra Bezahlung, damit man sich zur Behandlung auf die Liege legen darf. Wohin soll das denn führen? Man kann doch nicht immer alles gleich versilbern wollen.
27.06.14, 04:39:08
drvaust
Da geht es nicht wirklich um Menschlichkeit. Bei 1 bis 2 Minuten Zeit pro Kunde ist das eine reine Kontrolle, ob der Kunde noch reagiert und Hilfe will.
Demnächst wollen die Schaffner vielleicht Geld dafür, wenn sie Reisenden Fahrplanauskünfte erteilen.
Das war einmal. Heutzutage sind die Schaffner nur noch über die aktuellen planmäßigen Anschlüsse und den eigenen Fahrplan informiert. Mehr Informationen gibt es nur im Internet, und auch da nicht immer.
27.06.14, 08:37:30
PvdL
geändert von: PvdL - 27.06.14, 08:37:57
Ich stelle mir das ganze so vor:
Postbote: "Guten Tag, Herr oder Frau Unwichtig! Wie geht es Ihnen?"
<Kunde räuspert sich>
Postbote: "Hier ist Ihre Post. Dieser Zusatzleistung war kostenpflichtig. Auf Wiederseh'n."
<Kunde starrt ungläubig auf davon eilenden Postboten>
Kunde: Wer sind Sie überhaupt? Warum liegt buntes Papier vor meinen Füßen?
28.06.14, 05:33:27
drvaust
In großen Häusern in Städten wird das eher so laufen:
Bei allen 'Post Persönlich'-Kunden im Haus klingeln.
Bei der ersten Meldung: "Guten Tag, geht es ihnen gut, brauchen sie Hilfe?"
. Wenn so etwas wie ein zustimmendes Brummen kommt, "Auf Wiedersehen." fertig.
Bei der nächsten Meldung "Guten Tag, ... Hilfe?"
. Wenn ein krächzender Hilferuf kommt, oder Nichts, "Auf Wiedersehen." an Johanniter melden.
Nächste Meldung ... .
Da finde ich den Hausnotruf besser, und der wird teilweise von der Pflegekasse bezahlt.
28.06.14, 23:22:42
Perunica
So ein Quatsch, dafür haben die Postler gar keine Zeit.
Für die Zustellung eines Paketes bekommen sie z.B. genau 2 min. bezahlt.
In diesen 2 min. ist alles drin vom Pakete sortieren, einscannen, in den Transporter laden, vor der Haustür aus dem Transporter holen, ggf. bis in die 3.-5. Etage hoch, klingeln, warten und manchmal noch Geld kassieren bei Nachnahme-Paketen.
Alles in 2 Minuten pro Paket...
Die Briefzustellung ist genauso merkwürdig bemessen, da werden Arbeitszeiten vorgegeben, da werden Leistungssportler blass. Die sind nicht zu schaffen.
Außerdem fehlt ihnen die Ausbildung, um im Zweifelsfall bei einem Notfall richtig helfen zu können.
29.06.14, 07:15:27
drvaust
... fehlt ihnen die Ausbildung, um im Zweifelsfall bei einem Notfall richtig helfen zu können.
Nach der Beschreibung geht es nur um Nachfrage, und bei Bedarf Weitermeldung.
Für Hilfe sind in diesem Fall die Johanniter zuständig.
29.06.14, 10:06:42
Fundevogel
Es kann ja auch so gesehen werden, dass es für die Postzusteller gut sein kann, dass sie eine Verschnaufpause machen können. Gerade ältere Arbeitnehmer klagen immer wieder darüber, dass REFA-Aufnahmen bei jungen Leuten gemacht werden und danach dann die Zeitvorgaben erfolgen, die eher an den Konkurrenzunternehmen mit Dumpinglöhnen ausgerichtet sind als an Menschen, die 40 Jahre ihrem Unternehmen treu waren und ein langsameres Tempo benötigen.