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"behindert"

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20.03.09, 19:23:25

finnguala



55555 ja das ist das Problem, aber warum???
Dikriminiert???? Ich weiß nicht, ich habe keine Probleme mit Behinderten . Eher würde ich sagen, sogar einen guten Umgang mit "Behinderten" Menschen.
Ich kenne einige, und war auch schon mit einem Rolli Fahrer zusammen, der eindeutig als "Behindert" einzustufen ist, und hatte damit kein Problem. Klar war es anfangs schon etwas ungewohnt, irgendwo spazieren zu gehen, und so mobil und flexibel ist man mit solch einem Partner auch nicht, allerdings führte er ein möglichst selbstbestimmtes Leben, und diese Energie und Kraft die da dahinter steckt möchte ich gerne haben.
Ich habe mir ihm immer noch sehr guten Kontakt, und er hat auch meinen Sohn kennen gelernt, und ich muss sagen, die beiden haben einen sehr guten Draht zueinander. Beide akzeptieren sich so wie sie eben sind.

Darüber hinaus habe ich noch einen weiteren Bekannten, der in einer Einrichtung lebt. Diese "Freundschaft" ist zwar eher sporatisch, weil ich einfach auch nicht soviel Zeit habe, aber wir gehen auch öfters mal ins Kino, oder essen oder sonstiges.
Auch da muss ich sagen, für mich ist dieser Umgang "normal".
Ich bin allerdings auch echt entsetzt, wie blöd manche Menschen Reagieren können.

@ zoccoly

ich denke mal, nicht das du "Behindert" bist. Ich denke es ist der ganz "normale" Wahnsinn. Das geht doch jedem so.

20.03.09, 19:36:37

zoccoly

geändert von: zoccoly - 20.03.09, 19:46:59

@ finnguala

Ich habe im April meinen Diagnosetermin und ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn nicht AS diagnostiziert werden würde. Ich hatte mein gesamtes Leben Schwierigkeiten und diese resultierten zum größten Teil auf grund von Veränderungen, Unruhen und Stress usw.
Sorry, eins fehlt noch, die Nichtannahme meiner Persönlichkeit war auch nicht so toll.
20.03.09, 20:17:55

55555

Diskriminierung wäre hier vor allem eben auch strukturelle Diskriminierung. Wenn jemand z.B. besonders klein ist hat er Schwierigkeiten, weil immer wieder Dinge des Alltag eben für Menschen mit einer anderen Durchschnittsgröße konzipiert wurden.
21.03.09, 00:38:49

drvaust

Ich sehe Behinderung nicht unbedingt im Zusammenhang mit Diskriminierung.
Viele Behinderungen kommen einfach durch fehlende Fähigkeiten. Z.B. ein Rollstuhlfahrer kommt ohne fremde Hilfe, bzw. Hilfsmittel, nicht eine steile Strecke hoch (könnte höchstens hochkriechen). Oder ein Gehörloser kann schlecht erkennen, was er nicht sieht oder fühlt.
Diskriminierung kann eine zusätzliche Behinderung erzeugen. Leider werden Behinderte oft diskriminiert, weil sie nicht in die Normwelt passen.

21.03.09, 01:16:31

Isabella

Im Allgemeinen gibt es für den Begriff "Behinderung" in den Köpfen zwei Schlagwörter: geistig und körperlich. Wenn ein Kleinkind in einer Runde von Menschen, die es sowieso für geistig behindert halten und darüber sprechen, wie das mal mit der Schule und der Zukunft weitergehen soll, seinen ersten Satz (überhaupt) artikuliert mit: "Ich bin ein Individuum", halten ihn die Skeptiker plötzlich nicht mehr für geistig behindert, sondern für hoch intelligent. Dann bekommt das Kleinkind einen Stift; es kann ihn nicht halten und malt nicht. Ebenso gelingt das Schuhe zu binden nicht. Aha, körperlich behindert? Alles klar. Im nächsten Moment wird gegessen und besagtes Kleinkind geht hervorragend mit Messer und Gabel um. Nehmen wir auch mal ganz einfach das Betätigen einer Computertastatur oder einer Musikanlage. So etwas in der Art kennen wir doch alle hier im Forum. Wir wissen, dass dies alles per Definition nicht zutrifft. Ich habe so süße, kluge und feinsinnige Kinder mit Down- Syndrom kennengelernt, die leider keine hohe Lebenserwartung haben. Also körperlich behindert oder wie?
Unser Ex- Bundespräsident Richard von Weizäcker hat mal gesagt:
"Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann."
Hier noch mehr Aussagen:
Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt. Reinhard Turre
"Kein Mensch kann das beim anderen sehen und verstehen, was er nicht selbst erlebt hat" Hermann Hesse
Chancengleichheit bedeutet Gelegenheit zum Nachweis ungleicher Talente. (Sir Herbert Samuel)
Von den Chinesen können wir derzeit viel lernen. Sie haben für Krise und Chance dasselbe Schriftzeichen. (Richard von Weizsäcker)
"Ich habe die Pflicht mich zu äußern, wenn die Dinge einen meiner Meinung nach verwerflichen Gang nehmen." (Indianerweisheit)
"Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean." Isaac Newton
"Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken." (Galileo Galilei)
"Was vor uns und was hinter uns liegt, ist unbedeutend, verglichen mit dem, was in uns steckt!" (Ralph Emerson Walden)
Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang.
Tempora mutantur nos et mutantur in illis - Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen (lateinisches Sprichwort).
Was wir zu lernen haben ist so schwer und doch so einfach und klar:
Es ist normal verschieden zu sein. (Richard von Weizäcker)
Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben. (Wilhelm von Humboldt)
Die modernen Sklaven werden nicht mit Peitschen, sondern mit Terminen angetrieben.
21.03.09, 09:46:17

55555

Strukturelle Diskriminierung trifft schon Behinderte. Der Rollstuhlfahrer gehört z.B. auch zu einer Minderheit auf deren Bedarf vieles nicht eingerichtet ist. Man hat diese bei Planungen oft nicht berücksichtigt. Die so geschaffene Struktur diskriminiert ihn, weil sie besser nutzbar von anderen Menschen ist als für ihn.
Zitat von Isabella:
Ich habe so süße, kluge und feinsinnige Kinder mit Down- Syndrom kennengelernt, die leider keine hohe Lebenserwartung haben.

So niedrig ist die Lebenserwartung auch nicht:
Zitat:
Die Lebenserwartung von Europäern mit Down-Syndrom ist von durchschnittlich 9 Jahren (1929) auf 60 Jahre (2004) gestiegen, insbesondere da Organfehlbildungen heutzutage in der Regel sehr gut behandelt werden können. Mittlerweile erreicht jeder zehnte Mensch mit Down-Syndrom das 70. Lebensjahr.

Quelle
Zitat:
Unser Ex- Bundespräsident Richard von Weizäcker hat mal gesagt:
"Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann."

Gegen so einen Spruch würde es heute wohl durchaus mehr Protest geben wie wohl zu der Zeit als er ihn vermutlich tat.
26.03.09, 00:45:48

Isabella

5555: Er meinte damit wahrlich nicht Autisten, sondern im Nebensatz Menschen, die durch Schicksal plötzlich behindert wurden.
Die Kernaussage ist für mich: "Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst."
26.03.09, 12:54:53

55555

Er vermittelte dabei ein Bild von Behinderung als Leiden und Nachteil.
27.03.09, 00:28:59

Isabella

Zitat von 55555:
Er vermittelte dabei ein Bild von Behinderung als Leiden und Nachteil.

Ich denke, daß jeder Mensch, der sich selbst als nicht behindert sieht, automatisch davon ausgeht, daß diejenigen, die den Stempel "behindert" haben, darunter leiden und Nachteile haben.

Wenn ich jetzt Nihilist wäre, würde ich jeden menschlichen Fehler oder Mangel sofort als Behinderung bezeichnen. Da aber Fehler und Mängel menschlich sind, weil jeder Mensch davon betroffen ist, gibt es also so etwas wie "Behinderung" garnicht - nihilistisch gesehen.
27.03.09, 15:55:26

laleni

der wortgebrauch ist auch zeuge unserer zeit......
wenn mas ganz genau nimmt, ist man bereits ab einem bestimmten alter ( besonders als frau) "behindert"- weil nicht dem jugendwahn ( plus allen seinen möglichkeiten) entsprechend.....zusätzliche behinderung: unattraktiv( im zeitgeistigem sinn) also: "alt" und "unattraktiv" gilt anno 2009
(natürlich unausgesprochen) als behinderung!oder warum ver-operiert madonna sich zum plastikpüppchen und malträriert ihre muskeln an irgendwelchen foltergeräten.??
so gesehen: wer ist eigentlich (ab oder bis wann) NICHT behindert???
27.03.09, 16:49:17

zoccoly

geändert von: zoccoly - 27.03.09, 17:11:06

Vielleicht habe ich jetzt wieder die falsche Wortwahl, aber genau dieses Beispiel zeigt, wie behindert unsere Gesellschaft ist. Etwas muss doch inzwischen die Menschen daran hindern ( also sind sie behindert ), zu sich selbst zu stehen, ansonsten machen doch solche Operationen gar keinen Sinn, also fehlendes Selbstbewußtsein.
Es kann aber auch angeblich gefühlter gesellschaftlicher Zwang sein und den Druck zu spüren, sich dem unterzuordnen, muss auch schlimm sein. Oder ich verstehe schon wieder die Welt nicht.
27.03.09, 16:51:31

laleni

das beispiel selbst ist NICHT behindert- es zeigt nur die behinderung unserer gesellschaft auf.als solches war es auch gemeint.
 
 
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